07/08/2022

English below!

Kassel, August 2022

Kurz vor der Pandemie und durch diese auch gleich ziemlich ausgebremst habe ich als Kunstaktion das Institut zur Rettung der Welt aus dem Geiste der Kunst – IRWEGK gegründet. Das war ein künstlerisch gedachtes Ergebnis meiner Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Künstlersein im Kapitalismus. Meine Überlegungen dazu habe ich in ein Buch mit dem gleichen Titel gefasst. Zwei Thesen sind hier von Belang: Mit dem Philosophen Max Scheler verstehe ich den Kapitalismus nicht zuerst als eine Wirtschaftsform, sondern vielmehr als eine umfassende Art des Denkens und Lebens, als ein mindset, das alle Bereiche des Lebens infiziert. In Zeiten des globalisierten Spätkapitalismus gibt es praktisch niemanden mehr, der nicht von diesem „Geist des Kapitalismus“ mit geprägt ist. 

Um den Kapitalismus zu überwinden, ist es notwendig (auch) an dieser Stelle anzusetzen und Versuche zu unternehmen, den kapitalistischen Geist umzuwandeln und aufzulösen. Da kommt die Kunst ins Spiel. Denn die zweite These, die ich hier zugrunde legen will, lautet: Weltverhältnisse und -verständnisse, wie sie in vor- und außerkapitalistischen Gesellschaften üblich waren, haben sich im Kapitalismus in die Nische der Kunst zurückgezogen. Dort sind sie noch wiederzuentdecken und von dort aus kann eine postkapitalistische Reform des Geistes oder des mindsets gelingen. 


Aus dieser Perspektive erscheint die diesjährige documenta wie eine großangelegte Bestätigung besonders der zweiten These. Die Welt ändern mit den Mitteln der Kunst. Statt Kunstmarkt Lumbung. Statt Geniekult kollektive Aktionen. Statt Kunstwerk künstlerisch inspirierte Praktiken und Projekte. 

Da könnte ich mich doch zufrieden zurücklehnen und genießen, an diesem Punkt irgendwie recht gehabt zu haben – auch wenn es nicht so wahnsinnig viele Leute interessieren dürfte. 

Doch ganz so einfach ist es offenbar nicht. Die documenta 15 wird nicht als künstlerische Revolution, die die Hegemonie des europäisch-kapitalistischen Geistes gebrochen hat, in die Kunstgeschichte eingehen, sondern als eine Ausstellung, die antisemitische Werke präsentiert hat und deren Kuratoren auf die damit verbundenen Vorwürfe keine halbwegs zufriedenstellende Antwort geben konnten oder wollten. 

 (Der Text wurde Anfang August ´22 verfasst. Zu dieser Zeit gibt es offenbar Bewegung in der Debatte und es soll zu einem Gespräch zwischen RuanGrupa und jüdischen Bürgern aus Kassel kommen.)

Plötzlich scheint die gute Absicht, die hinter den Konzepten von Ruang Grupa steht, verdunkelt durch die Tatsache, dass die documenta 15 womöglich BDS-konform gestaltet ist. Kein kleiner Vorwurf im Deutschland des Jahres 2022. Gerechterweise muss man hinzufügen, dass die sehr deutsche Art der Auseinandersetzung mit dem Thema für „Neulinge“ innerhalb dieser Debatte nicht ohne weiteres verständlich ist. Die Vehemenz, mit der die Vorwürfe zum Teil erhoben werden, machen den Eindruck, hier sei mal wieder die Gelegenheit, den Schwarzen Peter weitergeben zu können. 


Bei diesem Aspekt der documenta15 stehen zu bleiben, hieße ebenfalls, es sich zu einfach zu machen. Das Erste muss natürlich sein, sich selbst ein Bild zu machen und so bin ich am 1. und 2. August durch Kassel gelaufen und habe mir einen Teil der documenta angeschaut. Einiges hat mich überrascht, anderes geärgert, einiges ratlos gemacht, anderes erfreut, manchmal musste ich laut loslachen, manchmal sah ich mich den Kopf schütteln, ab und zu stieg meine Neugier und ab und zu meine Ungeduld. Die inneren Reaktionen waren also vielfältig. Ich habe mich nicht gelangweilt und den Besuch ganz klar als Bereicherung abgeheftet. Und ich muss zugeben, dass ich fast den gesamten ersten Besuchstag damit beschäftigt war, meine (stillen und mir kaum expliziten) Erwartungen an das anzupassen, was mich dort erwartet hat. Ein lehrreicher Prozess, der mir einmal mehr gezeigt hat, wie sehr mein Denken auf unbefragten Hintergrundannahmen beruht. Aber ich will hier nicht meine sozusagen persönlichen Eindrücke der documenta15 zum Besten geben, sondern erkunden, was dort für die Rettung der Welt aus dem Geiste der Kunst zu lernen ist. 

Eines ist klar: L´art pour l´art findet man in Kassel gerade nicht. Der dort ausgestellte Kunstbegriff könnte nicht weiter von der Idee entfernt sein, dass die Ästhetik (Das Schöne?) für sich genommen einen künstlerischen Wert besitzt. Das Konzept einer Kunst, die mit den Möglichkeiten ihrer selbst spielt – eine Spielart der klassischen Moderne – wird aufgegeben zugunsten einer Kunst, die entweder eingebettet in einen sozialen oder politischen Zusammenhang agiert oder rückgebunden an einen solchen Zusammenhang, ohne ihn zwingend thematisieren zu müssen. Das geht so weit, dass die Unterscheidung zwischen sozialer Aktion und Kunstaktion kaum noch zu machen ist. Diese Kunstbewegung ist nicht neu, aber in dieser Breite und globalen Vielfalt wird sie in Kassel vielleicht zum ersten Mal überhaupt vorgestellt. 

(Vgl. z.B. „The Art of Direct Action. Social Sculture and Beyond” Sternberg Press, Berlin 2019, ein Buch, das diese Entwicklung, die bekanntermaßen von Beuys mitinitiiert wurde, thematisiert. Zum großen Durchbruch der sozialen Aktion als Kunst kam es demnach erst um die Jahrtausendwende.)




Von der Ausstellung zur Informationsveranstaltung?


Die Frage ist nun, wie man mit Aktionen, die in lokalen Zusammenhängen entstehen und gar nicht darauf aus sind, Werke zu schaffen, die man sich als Kunstpublikum zu Gemüte zieht, eine Kunstausstellung, genauer mit die wichtigste Ausstellung weltweit aufbaut? Wenn sich RuanGrupa nur auf diese Art von Kunst beschränkt hätte, wäre die Antwort: Gar nicht – bzw. wir machen stattdessen eine Informationsveranstaltung über sozial eingefärbte Kunst und da wir schon die Räume zur Verfügung haben, zeigen wir außerdem noch massenhaft historisches Material aus politischen Kämpfen der letzten 100 Jahre. Das kann manchmal ermüdend sein, besonders weil nur selten eine Brücke zur heutigen Situation gezogen wird.

Doch es gibt auch Kunst im traditionell europäischen Sinne zu sehen in Kassel. Ein Teil davon besteht in der Präsentation von Kunst, die auf dem Kunstmarkt bislang nicht vorkommt. Ein Beispiel ist ein Raum im Fridericianum, in dem Werke von Künstler*innen der Roma/Zigeuner hängen. Da zeigt sich eine Inkonsequenz in der Konzeption der documenta, die auch an anderen Stellen in Kassel auftaucht: einerseits geht es dort darum, eine globale künstlerische Bewegung sichtbar zu machen, die vom Kunstmarkt kaum Beachtung findet (weil sich da nichts verkaufen lässt) und andererseits wird beklagt, dass bestimmte Künstler*innen und Kunstwerke aus offenbar zumindest implizit rassistischen Gründen vom Kunstmarkt nicht wahrgenommen werden. Soll am Ende der Kunstmarkt doch der relevante Referenzpunkt sein?

Mit der Lumbung-Gallery, die versucht, die Kunst aus Kassel auf andere Weise unter die Leute zu bringen als über den sonst üblichen Galeristentross, zeigt sich zum Glück, dass die Kuratoren weiter sind als ihre Ausstellung in Teilen vermuten lässt. Initiativen wie die palästinensische Plattform „Dayra“ die mit „the question of funding“ ganz prinzipiell neue Wege der gegenseitigen Unterstützung von (u.a. künstlerischen) Aktionen und Projekten sucht, gehören auch ohne ästhetischen Mehrwert zu den Entdeckungen, für die man RuanGrupa dankbar ist. Von diesen Entdeckungen gibt es einige zu machen in Kassel und die Frage, wo da die Kunst bleibt, verliert zwischenzeitlich ihre Relevanz.













zwei von 7000 Beuys-Eichen, vor dem Fridericianum

Hat irgendjemand Beuys gesehen?


Vermutlich bin ich nicht der erste und einzige, der bei der Masse an sozialer Aktion, die sich in Kassel als Kunstform darbietet, an Beuys und seine soziale Plastik denkt. Wie kann es sein, dass auf dieser documenta der Name Beuys praktisch nicht fällt? Ist niemandem aufgefallen, dass einer der Großväter dieser künstlerischen Bewegung zugleich jahrzehntelang das Aushängeschild für die documenta war? Wieso wird nicht der Versuch unternommen, die Idee der sozialen Plastik mit dem abzugleichen, was im globalen Maßstab gerade geschieht? Abgesehen davon, dass man darin einen Affront gegen den Künstler sehen kann, der für das Prestige der documenta mehr getan hat als kaum jemand sonst, muss sich RuanGrupa einmal mehr fragen lassen, ob hier Naivität und Ignoranz im Spiel sind, oder ob die Verweigerung, sich mit bestimmten Themen zu befassen, Methode hat. 

Joseph Beuys lässt sich nicht ohne weiteres in dieses von kollektiven Zugängen dominierte Konzept einbauen. Dafür war er zu sehr individualistischer Künstler und eine Art Prototyp des spätmodernen westlichen „Genies“. Aber genau deshalb hätte man in ihm eine Kombination finden können, in der die beiden Gegensätze der Kunst als sozialer Intervention und als je individualistischem Sonderweg eine Einheit bilden und sich gegenseitig befruchten. Es geht nämlich nicht um ein Entweder-oder von Individualismus und Kollektivismus (oder gar Kulturalismus, wie Bazon Brock meint). Beide Wege dürfen und müssen weiterhin beschritten werden. Kunst auf einen der Wege zu beschränken, bedeutet, ihr die Freiheit zu nehmen und man darf nicht vergessen, dass die moderne Kunst eine Errungenschaft der europäischen Geschichte ist, die wir nicht aus der Hand geben sollten.


In einem durch und durch europäischen Künstler wie Beuys einen Vorläufer zu entdecken, passt nicht unbedingt in das Konzept, die Kunst des (ominösen) globalen Südens erstmals in Europa zur Schau zu stellen. Aber das Konzept lässt sich auch aus anderen Gründen nicht halten. Die soziale und lokal verankerte Kunst, die hier gezeigt wird, gibt es in vielen Weltgegenden, auf jeden Fall in Europa und Nordamerika. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob RuanGrupa das Konzept überhaupt verfolgt. Es gibt einige Leerstellen auf der Landkarte dieser documenta. Israel ist nur eine kleine (die in Anbetracht der großen Präsenz palästinensischer Künstler*innen besonders ins Auge fällt); die USA kommen nur am Rande vor, aber auch China ist fast ganz ausgeblendet, ebenso Russland und die von seinem „Imperialismus“ bedrohten Staaten. Hier spielen die Zufälle persönlicher Bekanntschaften und Beziehungen wahrscheinlich eine größere Rolle als politische Überlegungen - was aber nicht verhindert, dass das Ergebnis der Auswahl politisch gelesen wird. 



Lumbung und die Antisemitismusvorwürfe


Was mich am meisten bei der Debatte um die Antisemitismusvorwürfe irritiert hat, ist der Unwille oder die Unfähigkeit von RuanGrupa, sich dieser Auseinandersetzung zu stellen. Das Kuratorenkollektiv hat das Gespräch verweigert. Auf den ersten Blick erscheint das wie ein Widerspruch zu den Werten, die RuanGrupa vertritt und in der documenta zur Grundlage machen wollte. Insbesondere der Wert der Transparenz scheint hier nicht zum Zuge gekommen zu sein. 

(RuanGrupa zählt ausßerdem die folgenden Werte zu lumbung: lokale Verankerung, Humor, Großzügigkeit, Unabhängigkeit, Genügsamkeit und Regeneration.) 

Doch meine Vermutung geht in eine andere Richtung. Im Handbuch zur documenta gibt es auf S.29 eine Zeichnung, bei der das Lumbung-Verständnis der sozial engagierten Kunst dargestellt wird. „Socially engaged Art comes from the Experiencce of Community and the Needs of People” heißt die Überschrift. Als letzten Absatz liest man: “Our work should not be judged by an outsider but in terms of the benefits that it brings to the community which creates it.” Auf Deutsch ungefähr: Unsere Arbeit sollte nicht von Außenstehenden beurteilt werden, sondern nach dem Nutzen, den sie für die Gemeinschaft bringt, die sie schafft.

Das ist ein sehr interessanter oder besser seltsamer Ansatz für die Konzeption einer Ausstellung wie der documenta, die ja gerade darauf fußt, „Außenstehende“ einzuladen, die eigene Arbeit zu sehen. Und zugleich zeigt dieser Satz, wieso RuanGrupa nicht in der Lage war, sich der Diskussion um die antisemitischen Werke zu stellen. Bewertungen oder Kommentare von außen scheinen irrelevant. Einzig die Bewertung innerhalb der lokal verankerten Gruppe, in der das Werk entstanden ist, ist von Belang. Das ist ein extrem problematisches Konzept für eine Ausstellung, die in einem demokratisch verfassten öffentlichen Kontext stattfindet. Der Öffentlichkeit wird verwehrt, sich zu dem, was da gezeigt wird, zu äußern. 


Lumbung kreiert offenbar ein System, innerhalb dessen zwar die angestrebten Werte mehr oder weniger gelebt werden können. Doch zugleich entsteht dadurch ein Außen, ein Bereich, der nicht dazu gehört: die (demokratische) Öffentlichkeit. Da dort der Prozess der Vertrauensbildung im Sinne des Lumbung nicht stattgefunden hat, sind die Leute innerhalb des Systems offenbar nicht willens, mit dem Außen in einen Dialog zu treten. Das ist fatal für die Auseinandersetzung mit den Antisemitismusvorwürfen und zeigt sich auch in anderern Bereichen. Z.B an der an verschiedenen Orten zu sehenden Revolutionskunst, die nicht ganz dem Kitschverdacht entgehen kann und die einem sehr einfachen Freund-Feind-Schema folgt. 

(Bis hin zu Bildern mit der Aufschrift „White lies matter“, den man wohl als rassistisch einstufen kann. (Obwohl white lies auch Notlügen bedeuten kann.)




Hier liegt ein großes Problem für die Rettung der Welt aus dem Geiste der Kunst. Aus dem Geiste des Lumbung, das ein Wir hier und Ihr dort konstruiert, lässt sie sich jedenfalls nicht retten.

Accidental Art Kassel August 2022

Lumbung und/oder IRWEGK?


Nach dem Eindruck, den ich von der documenta15 gewonnen habe, gibt es zwischen dem Ansatz von RuanGrupa und IRWEGK eine starke Parallele und einen fundamentalen Unterschied. Die Ähnlichkeit besteht im angestrebten Ziel, die Welt mit den Mitteln der Kunst zu einem menschlicheren Ort zu machen, in sozialer, politischer und ökologischer Hinsicht. 

Die Strategie der documenta-Macher zielt auf direkte (mehr oder weniger) künstlerische Interventionen im sozial-politischen Kontext. Die lokal verankerte Kunst greift die Probleme der lokalen Situation auf und an und entwickelt dabei vielleicht Ergebnisse und Praktiken, die sich auf andere Orte und Situationen übertragen lassen. 

IRWEGK dagegen vertritt einen mehr aus dem Ästhetischen stammenden Ansatz. Hier geht es darum, ein Weltverständnis wiederzufinden und zu schulen, das man poetisch oder künstlerisch nennen könnte. Statt die Welt in kapitalistischer Manier nur als Ressource, Abfalleimer und Erholungsort zu betrachten, sieht die/der Künstler*in die Welt als Gefüge aus Orten, Menschen und Ereignissen, mit denen ich in Dialog treten kann. Die Welt spricht zu mir! Oder vielleicht: die Welt singt. Daraus muss nicht unbedingt eine eigene künstlerische Aktion erwachsen, aber das ist immer möglich. Vor allem geht es darum, diesen Geist der Kunst zum grundlegenden Zugang zur Welt zu machen, so wie es in vormodernen Gesellschaften oft der Fall war (ohne, dass dort von Kunst die Rede gewesen wäre). Das ist aber kein Weg zurück zu vermeintlich besseren Zeiten, sondern ein Aufbruch in eine Post-Moderne, die die Errungenschaften der Moderne bewahrt und einbindet in ein Weltverständnis, dass allem und jedem in der Welt Würde zuspricht. 

Diese poetische Weltsicht hat gegenüber dem Ansatz von RuanGrupa den Vorteil, eine Kunst zuzulassen, die nicht politisch motiviert ist, sondern sich frei der ästhetischen Qualität der Welt zuwendet. Zugleich ist der Ansatz von IRWEGK hochpolitisch und sieht in den Beiträgen, wie RuanGrupa sie in Kassel vorstellt eine willkommene Ergänzung und Unterstützung der eigenen Anliegen. Umgekehrt scheint dies allerdings (noch) nicht der Fall zu sein.

The documenta15 and saving the world in the spirit of art?


Shortly before the pandemic and soon quite blocked by it, I founded in an artistic initiative the Institute for the Saving the World in the Spirit of Art (Institut zur Rettung der Welt aus dem Geist der Kunst - IRWEGK). This was an artistically conceived result of my examination of the question of being  artist in capitalism. I put my reflections on this into a book with the same title. Two theses are relevant here: with the philosopher Max Scheler, I understand capitalism not first and foremost as an economic form, but rather as a comprehensive way of thinking and living, as a mindset that infects all areas of life. In times of globalised late capitalism, there is practically no one left who is not co-influenced by this "spirit of capitalism". 

Accidental Art Kassel August 2022

In order to overcome capitalism, it is necessary to start at this point and to make attempts to transform and dissolve the capitalist spirit. This is where art comes into the picture. Because the second thesis I want to take as a basis here is: world relations and understandings that were common in pre- and extra-capitalist societies have in capitalism retreated into the niche of art. There they can still be rediscovered and from there a post-capitalist reform of the mind or the mindset can succeed.

From this perspective, this year's documenta seems like a large-scale confirmation of the second thesis in particular. Changing the world with the means of art. Lumbung Instead of art market. Collective actions instead of the cult of genius. Artistically inspired practices and projects instead of artworks. 

I could sit back with satisfaction and enjoy having somehow been right at this point - even if it might not interest so many people. 


But it's obviously not quite that simple. Documenta 15 will not go down in art history as an artistic revolution that broke the hegemony of the European capitalist spirit, but as an exhibition that presented anti-Semitic works and whose curators were unable or unwilling to give a somewhat satisfactory answer to the accusations associated with it . 

(The text was written at the beginning of August '22. At this time there is apparently movement in the debate and a discussion is to take place between RuanGrupa and Jewish citizens from Kassel.)

Suddenly, the good intention behind Ruang Grupa's concepts seems obscured by the fact that documenta 15 may have been designed to be in line with BDS. Not a small accusation in the Germany of 2022. To be fair, one has to add that the very German way of dealing with the topic is not easily understandable for "newcomers" within this debate. The vehemence with which some of the accusations are made give the impression that this is yet another opportunity to pass the buck.


To stop at this aspect of documenta15 would also be too easy. The first thing, of course, to look for an own impression and so I walked through Kassel on 1 and 2 August and had a look at part of the documenta. Some things surprised me, others annoyed me, some made me perplexed, others delighted me, sometimes I had to laugh out loud, sometimes I found myself shaking my head, now and then my curiosity rose and now and then my impatience. The inner reactions were thus manifold. I wasn't bored and clearly marked the visit down as enrichment. And I have to admit that almost the entire first day of the visit I was busy adjusting my (silent and hardly explicit to me) expectations to what awaited me there. An instructive process that showed me once again how much my thinking is based on unquestioned background assumptions. But I don't want to give my personal impressions, so to speak, of documenta15 here, but explore what can be learned there for saving the world in the spirit of art. 

One thing is clear: you won't find L'art pour l'art in Kassel. The concept of art presented there could not be further from the idea that aesthetics (The Beautiful?) has artistic value in itself. The concept of an art that plays with the possibilities of itself - a variety of classical modernism - is abandoned in favour of an art that either acts embedded in a social or political context or tied back to such a context without necessarily having to thematise it. This goes so far that the distinction between social action and art action is almost impossible to make. This art movement is not new, but in this breadth and global diversity it is being presented in Kassel perhaps for the first time ever.

(See, for example, "The Art of Direct Action. Social Sculture and Beyond" Sternberg Press, Berlin 2019, a book that addresses this development, which, as we know, was co-initiated by Beuys. The great breakthrough of social action as art therefore only came around the turn of the millennium.)



From exhibition to informative event?


The question now is how to build an art exhibition, or to be more precise, one of the most important exhibitions in the world, with actions that arise in local contexts and are not at all aimed at creating works to be viewed by an art audience? If RuanGrupa had limited itself to this kind of art, the answer would be: not at all - or instead we do an informative event about socially coloured art and since we already have the rooms available, we also show masses of historical material from political struggles of the last 100 years. This can be tiring at times, especially because a bridge is rarely drawn to the situation today.

But there is also art in the traditional European sense to be seen in Kassel. Part of it consists of the presentation of art that has not yet appeared on the art market. One example is a room in the Fridericianum where works by Roma/Gypsy artists hang. This shows an inconsistency in the conception of the documenta that also appears in other places in Kassel: on the one hand, it is about making a global artistic movement visible that hardly receives any attention from the art market (because nothing can be sold there) and on the other hand, there are complaints that certain artists and works of art are not perceived by the art market for apparently at least implicitly racist reasons. Is the art market supposed to be the relevant point of reference after all?


Fortunately, the Lumbung Gallery, which tries to bring art from Kassel to the people in a different way than through the usual gallery circuit, shows that the curators are more advanced than their exhibition suggests in parts. Initiatives such as the Palestinian platform "Dayra", which seeks new ways of mutual support for (artistic) actions and projects with "the question of funding", are among the discoveries for which one is grateful to RuanGrupa, even without aesthetic surplus value. There are a few of these discoveries to be made in Kassel, and the question of where art is in all this is losing its relevance in from time to time.



some of 7000 oaks (Beuys) 

Has anyone seen Beuys?


I'm probably not the first and only one who thinks of Beuys and his social sculpture in the multitude of social actions presented as an art form in Kassel. How can it be that the name Beuys is practically not mentioned at this documenta? Has no one noticed that one of the grandfathers of this artistic movement was also the figurehead for the documenta for decades? Why is there no attempt to compare the idea of social sculpture with what is currently happening on a global scale? Apart from the fact that one can see in this an affront to the artist who has done more for the prestige of documenta than hardly anyone else, RuanGrupa must once again allow himself to be asked whether naivety and ignorance are at stake here, or whether there is a method in refusing to deal with certain topics. 

Joseph Beuys cannot be easily incorporated into this concept dominated by collective approaches. He was too much of an individualist artist and a kind of prototype of the late-modern Western "genius". But that is precisely why one could have found in him a combination in which the two opposites of art as a social intervention and as a respective individualistic special path form a unity and stimulate each other. For it is not a question of an either-or of individualism and collectivism (or even culturalism, as Bazon Brock thinks). Both paths may and must continue to be followed. To restrict art to one of the paths means to take away its freedom, and we must not forget that modern art is an achievement of European history that we should not let go of.


Discovering a pioneer in a thoroughly European artist like Beuys does not necessarily fit into the concept of putting the art of the (ominous) global South on display in Europe for the first time. But the concept doesn't hold up for other reasons either. The socially and locally rooted art shown here exists in many parts of the world, certainly in Europe and North America. However, I am not sure that RuanGrupa follows the concept at all. There are some blanks on the map of this documenta. Israel is only a small one (which is particularly prominent in view of the large presence of Palestinian artists); the USA is only mentioned in passing, but China is also almost completely left out, as are Russia and the states threatened by its "imperialism". Here, the coincidences of personal acquaintances and relationships probably play a greater role than political considerations - but this does not prevent the result of the selection from being read politically.


Lumbung and the accusations of anti-Semitism


What has irritated me most about the debate around the accusations of anti-Semitism is RuanGrupa's unwillingness or inability to face this debate. The curatorial collective has refused to talk. At first glance, this seems like a contradiction to the values that RuanGrupa represents and wanted to make the basis of documenta. In particular, the value of transparency does not seem to have come into effect here. 

(RuanGrupa also counts the following values as lumbung: local anchoring, humour, generosity, independence, modesty and regeneration.)

But my suspicion goes in another direction. In the documenta handbook, there is a drawing on p.29 that depicts Lumbung's understanding of socially engaged art. "Socially engaged art comes from the experience of community and the needs of people" is the title. The last paragraph reads: "Our work should not be judged by an outsider but in terms of the benefits that it brings to the community which creates it.

seen at documenta 15

This is a very interesting or rather strange approach for the conception of an exhibition like the documenta, which is based precisely on inviting "outsiders" to see one's own work. And at the same time, this sentence shows why RuanGrupa was not able to face the discussion about the anti-Semitic works. Evaluations or comments from outside seem irrelevant. Only the evaluation within the locally anchored group in which the work was created is relevant. This is an extremely problematic concept for an exhibition that takes place in a democratically constituted public context. The public is denied the opportunity to comment on what is being shown. 

Lumbung obviously creates a system within which the desired values can more or less be lived. But at the same time, this creates an outside, a realm that does not belong with it: the (democratic) public sphere. Since the process of trust-building in the sense of lumbung has not taken place there, the people within the system are apparently unwilling to enter into dialogue with the outside. This is fatal for dealing with the accusations of anti-Semitism and is also a problem in other areas. For example, in the revolutionary art that can be seen in various places, which cannot entirely escape the suspicion of kitsch and which follows a very simple friend-foe scheme. 

(Up to pictures with the inscription "White lies matter", which can probably be classified as racist. (Although white lies also has this metaphorical meaning).


Here lies a major problem for saving the world in the spirit of art.  It seemingly cannot be saved in the spirit of lumbung, which constructs a "we" here and a "you" there.



Lumbung and/or IRWEGK?


From the impression I got from documenta15, there is a strong parallel and a fundamental difference between the approach of RuanGrupa and IRWEGK. The similarity is in the aspired goal of making the world a more human place, socially, politically and ecologically, through the means of art. 

The strategy of the documenta makers aims at direct (more or less) artistic interventions in the socio-political context. Locally rooted art addresses and tackles the problems of the local situation, perhaps developing results and practices that can be transferred to other places and situations. 

IRWEGK, on the other hand, takes a more aesthetic approach. Here the aim is to recover and train an understanding of the world that could be called poetic or artistic. Instead of seeing the world in a capitalist manner only as a resource, a garbage bin and a place for recreation, the artist sees the world as a structure of places, people and events with which I can enter into dialogue. The world speaks to me! Or perhaps: the world sings. This does not necessarily have to result in an artistic action of my own, but that is always possible. But above all, it is a matter of making this spirit of art the fundamental access to the world, as was often the case in pre-modern societies (without there being any talk of art). This is not a way back to supposedly better times, however, but a departure into a post-modernity that preserves the achievements of modernity and integrates them into an understanding of the world that grants dignity to everything and everyone in the world. 

This poetic view of the world has the advantage over RuanGrupa's approach of allowing an art that is not politically motivated but is free to turn to the aesthetic quality of the world. At the same time, IRWEGK's approach is highly political and sees the contributions as presented by RuanGrupa in Kassel as a welcome addition and support to its own concerns. Conversely, however, this does not (yet) seem to be the case. 

more about IRWEGK:

https://irwegk.jimdofree.com/

Kassel August 2022

03/07/2022

In der Bücherrevue für den IRWEGK (Institut zur Rettung der Welt aus dem Geiste der Kunst) stelle ich Bücher und Texte vor, in denen es meiner Ansicht nach Material zu finden gibt, dass auf der Suche nach neuen Wegen in die Zukunft hilfreich sein könnte. Ich lese die Schriften dabei mit der Frage im Hinterkopf: Gibt es etwas über die Rolle zu lernen, die die Kunst bzw. der Geist der Kunst bei der „Rettung der Welt“ spielen könnte?


Annette Kehnel: Wir konnten auch anders











Das ist ein Buch, in dem Strategien und Praktiken vorgestellt werden, mit denen in mittelalterlichen und vormodernen Zeiten Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Gemeinnützigkeit gefördert wurden. Man erfährt etwa, dass die Papierherstellung lange Zeit ein Recyclingprozess von alten Kleidern, sogenannten Hadern war, dass die Beginen eine komplexe Vielfalt von Sharing Communities darstellten oder dass der Mikrokredit keine Erfindung des 20. Jahrhunderts ist, sondern schon im Mittelalter ein Instrument war, mit dessen Hilfe die Mehrheit der Menschen, die nicht auf ein eigenes Vermögen zurückgreifen konnten, die Teilnahme am wirtschaftlichen Leben ermöglicht wurde.


In vieler Hinsicht scheint sich die lange vorherrschende Sicht auf die vermeintlich dunklen und irgendwie primitiven Zeiten des Mittelalters in der Geschichtswissenschaft gerade zu verändern. Hervor tritt das Bild einer Epoche, die sehr viel komplexer war als sie in der Moderne üblicherweise dargestellt wurde. Und sie hatte gegenüber der kapitalistischen Epoche den großen Vorteil, dass in die Erwägungen zu Fragen des Wirtschaftens, der Gesellschaft und des Umgangs mit der Natur ein viel größeres bzw. umfassenderes Bild betrachtet wurde als in der vermeintlich fortschrittlicheren Moderne, in der es in der Regel nur noch um Gewinnmaximierung ging und in der die Schäden und der Raubbau an Natur und Mensch einfach weitgehend ignoriert wurden/werden. 


Mit Max Scheler gesprochen war in der Vormoderne der herrschende Geist noch nicht kapitalistisch; der ideologische Überbau der Gesellschaft war an religiösen und ethischen Vorgaben orientiert. Hier kommen wir der Frage nach der Rolle von Kunst für die Rettung der Welt zumindest nahe. Das mittelalterliche und vormoderne Weltbild lässt sich nicht wiederherstellen – das wäre auch nicht wünschenswert – und das kapitalistische Weltbild hat uns an den Rand des Zusammenbruchs des Ökosystems Erde gebracht. Wir brauchen also unbedingt ein neues ethisches Koordinatensystem. Der Blick auf die klugen und hochkomplexen Strategien, die es in vormodernen Zeiten bereits gegeben hat, zeigt uns Modernen, dass es jenseits des Kapitalismus gute Weltbilder geben kann, die den komplexen Herausforderungen unserer Zeit sogar angemessener begegnen als die sogenannte rationalistische Welt des Kapitalismus. Meine These, die so in dem Buch von A. Kehnel nicht zu finden ist, lautet, dass die Kunst den Raum darstellt, in den sich viele dieser Ideen und Weltverständnisse, die vor der Moderne den Mainstream darstellten, zurückgezogen haben. Dort finden wir sie heute in einer Form wieder, die sie anschlussfähig macht, ohne dass man sich der Gefahr der Nostalgie aussetzt.


Ganz oben auf der Liste der Gedanken und Konzepte, die sich weitgehend in das Reservat der Kunst zurückgezogen haben, steht für mich das dialogische Weltverhältnis. Damit meine ich ein Verständnis der Welt und allem in der Welt gegenüber, nach dem alles spricht – oder vielleicht eher singt! Nicht unbedingt zu mir oder den Menschen, aber doch in einer Weise, die von uns gehört und wahrgenommen werden kann. Wenn ich mit dieser Vorstellung auf die Welt blicke bzw. in der Welt agiere, dann nehme ich mich selbst in einem hochkomplexen Geflecht von Weltverhältnissen wahr, die alle miteinander interagieren. Anders als in einem kapitalistischen Weltverständnis, das gelernt hat, alle (Gewinn) störenden Aspekte der Welt auszulagern, sind Künstler und waren mittelalterliche Menschen sich immer der Eingebundenheit in die Welt bewusst. Daraus entstehen ethische Verpflichtungen, die man nicht ignorieren darf. 


Zu dieser Weltsicht gehört auch, dass das dialogische Verhältnis sich in die Zeit hinein erstreckt, d.h. ich bin mit der Vergangenheit (z.B. in Form meiner Ahnen) und mit der Zukunft ebenfalls in einem Dialog verbunden. Für den Rationalisten des 18. und 19. Jahrhunderts klingt das nach abergläubischem Humbug, erst das 21. Jahrhundert, das vor den Trümmern einer rein rationalistischen bzw. kapitalistischen Weltbetrachtung steht, muss lernen, wieder das große Bild zu sehen und das große Konzert zu hören. Dafür gibt es in dem Buch von A. Kehnel einiges zu lernen. 


Die Kunst selbst (?) kommt nur am Rande vor, wenn etwa erwähnt wird, dass im Italien der frühen Neuzeit die Werke nicht zuletzt der großen Renaissancekünstler wie Michelangelo durch Ablasshandel finanziert wurden, eine Praktik, die unserem Crowdfunding sehr ähnlich gewesen ist. Ansonsten ist Kunst nicht das Thema des Buches und die Praktiken der modernen Kunst haben sich erst mit und nach der Renaissance herausgebildet. Vorher bedurfte es der Kunst nicht, um bestimmte heute fast vergessene Formen des Weltverhältnisses ins Leben zu integrieren. 


Kurz und gut: Annette Kehnels kurze Geschichte der Nachhaltigkeit „Wir konnten auch anders“ ist zwar kein Buch, das den Geist der Kunst als Thema hat. Als Materialsammlung zu Praktiken, die den Geist der Kunst im modernen Sinne noch nicht benötigten, um die bessere Alternative zum zerstörerischen Kapitalismus darzustellen, ist es unbedingt empfehlenswert. 


Robert Musil: Die Amsel

30/06/2022

ein paar Gedanken anlässlich meiner Lesungen des Textes im Juli 2022 in Köln

Robert Musil: Die Amsel


Eine Kurzgeschichte, in der direkt drei sonderbare Erlebnisse eines Menschen von diesem selbst erzählt werden. Geschichten, die den Rahmen des vorherbestimmten Lebens, das man in den Städten des frühen 20. Jahrhunderts (hier Berlin) so zu führen hatte wie in den darauf folgenden Phasen der Moderne. 

Doch bei aller Vorhersagbarkeit lässt sich das „unbegreifliche Element“, von dem Musil schon auf der ersten Seite der Erzählung spricht, nicht rauskürzen aus der Gleichung des modernen Lebens. 


Was die Erzählung für mich als Stimmkünstler so faszinierend und interessant macht, ist Musils Strategie, das Unbegreifliche immer in Verbindung mit Klang oder hörbaren Ereignissen auftauchen zu lassen. Als Gesang der Amsel, als schwirrendes Pfeifen eines Fliegerpfeils oder als Vogel, der plötzlich sprechen kann. Immer wird das Ereignis in erster Linie gehört erfahren. 

Man könnte „Die Amsel“ als eine Antwort auf das Diktum von Max Weber von der „Entzauberung der Welt“ lesen. Die Entzauberung kann nicht gelingen. Die Welt und besonders die Ereignisse, die das Leben der Menschen bestimmen, lassen sich nicht in den Käfig der Rationalität einsperren. Die Frage ist nur, ob wir (der moderne Mensch) in der Lage sind, damit umzugehen. Denn sie machen keinen Sinn! Bestenfalls so wie ein Traum Sinn macht. (Traumdeutung à la Freud und Jung ist der sehr moderne Versuch, die durch den Rationalismus ausgegrenzten Bereiche des Umgangs mit dem Leben wieder zu integrieren.) Musil spricht am Ende der Geschichte davon, dass sie „Sinn macht“ nur „wie wenn du flüstern hörst oder bloß rauschen, ohne das unterscheiden zu können“.

Verhandelt werden in diesem Rahmen von Musil Fragen der Moralität und der Religiösität. Wie kann in einer Welt, die streng unterscheidet zwischen dem rationalen Teil und dem vermeintlich sinnlosen, doch immer noch wirksamen, moralisches Handeln bestimmt werden? Was heißt es außerdem, metaphysische Erlebnisse zu haben? Außerdem geht es immer wieder um den Körper, der sich der Einhegung in die Rationalität entzieht.

Die Amsel ist ein Text, der bei aller Zeitbezogenheit Themen behandelt, von denen wir neu lernen müssen, sie ernsthaft durchzudenken, ohne im Rationalismus einerseits oder einer vernunftsfeindlichen Esoterik andererseits hängen zu bleiben. Musil wusste übrigens schon, dass in der Moderne die Kunst die Sphäre ist, in der die Themen behandelt werden können. 

02/05/2022

Blogeinträge

vom 1. bis 19. Mai in der Galerie Eckart in Wuppertal.

weitere Infos gibt es hier!

06/04/2022

 


Eine Stimmperformance am 5. April 2022



Material:

Eine aktuelle Tageszeitung

Papier DinA4

Filzschreiber

Klebeband

Uhr/Timer

Tisch/Stuhl


 


Aktion:

1. Ich war mehrere Stunden in dem Raum, in dem die Performance an dem Tag stattfand. Ich lese die Tageszeitung und schreibe Überschriften/Stichworte, die mich ansprechen, auf DinA4 Blätter und hänge sie an die Wand. Ich richte den Raum ein und bringe meine Stimme in Bewegung. Ich schreibe Stichworte auf, die mir in den Sinn kommen und die mit meiner aktuellen inneren Situation und meiner körperlichen Verfasstheit zu tun habe. Auch diese Stichworte hänge ich an die Wand. Die Begriffe aus den beiden Gruppen hängen getrennt voneinander.











2. Die Stimmperformance besteht aus drei Phasen (10 min.),in denen ich vor der Wand mit den Begriffen stehe und mein Stimme in Aktion bringe. Die drei Phasen heißen:

-   Die Leiter

-   Der Weg

-   Das Feld


Die Begriffe hänge ich jeweils vor Beginn der Phase ebenfalls auf Papier an die Wand.


Nach der stimmlichen Aktion gibt es ein Gespräch mit dem Publikum, das integraler Bestandteil der Performance ist. Die thematische Ausrichtung ergibt sich aus den Beiträgen der Zuhörenden. Mein Interesse ist, ob zwischen der Stimmaktion und dem Hintergrund der Begriffe und Stichworte ein Zusammenhang entstanden ist.


Dauer:   Vorbereitung im Raum ca. fünf Stunden.

Stimmaktion ca. 40 Minuten, längere Versionen sind vorstellbar.

Gespräch ca. 45 Minuten.


 


 


 


Die Performance am 5. April 2022:



Begriffe:


-   Allgemeine Situation: status quo ante, freiwillige Isolation, Impfpflicht, Trauer in Butscha, "Ich habe mich geirrt, Energie-Embargo, 10000000 Flüchtlinge, Goldrausch, teure Flüge, 9-für-90-Ticket, Weltklimarat, Windkraftausbau, Ungarn/Serbien


-   Persönliche Situation: status quo ante, Diversität, Energie-Embargo?, Beschwörung, Benefiz, Trauer, Humanität, Premiere, Recherche, Zurückhaltung, Verwringung, Erdung, Flake, alte Muster, Schwerkraft, Trägheit, Impuls, Motivation,


 Hier ein Video mit ein paar Eindrücken der ersten Performance:



 

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