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Seit einiger Zeit verwende ich in meinen Texten auffällig häufig den Begriff künstlerisch. Dann ist die Rede von einer künstlerischen Recherche (nämlich vocal ecotism), von künstlerischer Haltung, einem künstlerischen Leben, künstlerisch motivierten Ansätzen und Aktionen im Rahmen ökologischer Themen und so weiter. Doch was ist damit eigentlich gemeint? Wovon spreche ich oder worauf beziehe ich mich, wenn ich diesen Begriff verwende?
In der vocal ecotism-Recherche haben wir einen ganz bestimmten Begriff des Künstlerischen entworfen, der für mich mittlerweile als allgemeiner Orientierungspunkt fungiert. Zur Entwicklung dieses Begriffs vom Künstlerischen war es nötig, uns zuerst von einem anderen Verständnis abzugrenzen, das in der gesellschaftlichen Debatte um die ökologischen Krisen oft auftaucht. Dort wird betont, dass die Kunst für den Prozess eines Bewusstseinswandels so wichtig sei, weil sie die Erkenntnisse der Wissenschaft zugänglicher macht, dafür sensibilisieren kann und so weiter. Das Künstlerische würde dann den Zugang zu Erkenntnissen erleichtern, die aus dem Feld der Wissenschaft stammen.
Das ist zwar eine Möglichkeit, läuft aber auf die meines Erachtens ganz falsche Unterscheidung hinaus, nach der die Naturwissenschaften für Fakten und Rationalität stehen und die Künste sozusagen für den human touch, die gefühlsbasierte Zugänglichkeit. Dagegen sehen wir Kunst als eine eigene Art des Denkens an, die in diesem Prozess eine Rolle spielt, weil sie die Dinge anders denken und deshalb anders darstellen kann als Wissenschaft oder Politik. Die Kunst ist viel mehr als ein Hilfsmedium für die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse.
Ein entscheidender Unterschied zwischen dem Denken der Naturwissenschaften und dem der Künste besteht darin, dass die Naturwissenschaften die Natur als Objekt betrachten, das ohne Einfluss der Beobachter untersucht werden muss, um klare Resultate zu gewinnen. Die Kunst dagegen sieht den Menschen, der sich mit einem Thema künstlerisch forschend befasst, immer als Teil des gesamten Prozesses, in dem es nicht möglich und nicht wünschenswert ist, eine Trennung zwischen forschendem Subjekt und erforschtem Objekt zu schaffen. Künstlerische Recherche unterläuft diese für die Moderne so typische Subjekt-/Objektunterscheidung und öffnet sich damit Aspekten der Welt, die in der strengen Methodik der Naturwissenschaften gar nicht auftauchen können. So gesehen ist der künstlerische Ansatz der Forschung umfassender als der naturwissenschaftliche! Und sie erlaubt die bitter nötige Korrektur unserer menschlichen Selbstpositionierung zurück in den Kontext der Erde und des Lebens!
In der Recherche von vocal ecotism sind wir durchgehend von einer künstlerischen Logik ausgegangen. Das galt für die Fragestellungen, die uns interessieren, für die innere Haltung der Forschenden, den Prozess der gemeinsamen Erkundung und für die Ergebnisse, die angestrebt wurden. Diese künstlerische Logik impliziert u.a.: Künstlerische Forschung beruft sich auf Erkenntnisse aus allen Bereichen, in denen Erkenntnisse gewonnen werden können und betrachtet sie alle als gleichwertig. Es gibt demnach keine Dominanz etwas der wissenschaftlichen Erkenntnisse, die aber natürlich in die künstlerische Forschung mit einbezogen werden. So kann man zum Beispiel neueste Daten über die Belastung von Nordseefischen mit Mikroplastik aufrufen und in Verbindung setzen mit einem Wasser-Traum eines Mitglieds unserer Gruppe, der nach der Diskussion der wissenschaftlichen Daten auftaucht. Teil des Forschungsprozesses ist es, diese Gleichwertigkeit von Erkenntnissen in die innere Haltung zu transferieren. Das bedarf einer gewissen Übung.
Die angestrebten Ergebnisse der künstlerischen Forschung sind nicht in erster Linie neue in Sprache oder Grafiken erfassbare Erkenntnisse – obwohl auch diese entstehen! – sondern künstlerische Aktionen, bzw. Ideen, die zu solchen Aktionen führen können.
Zugleich weist das Attribut „künstlerisch“ über das Feld der konkreten Kunst-Aktion hinaus und steht für eine allgemeine Haltung, die uns helfen soll, unser Verhältnis zur menschlichen wie zur mehr als menschlichen Welt respektvoll, zugewandt und wertschätzend zu gestalten.
Wie das aussehen kann, zeige ich in meinen neuen Seminar- und Vortragsangeboten zu vocal ecotism:
What does ‘artistic’ actually mean?
I’ll be demonstrating what this might look like in my new seminars and talks on vocal ecotism:
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